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Die Franckeschen Stiftungen und die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB) laden zu einer Ausstellung in das Historische Waisenhaus ein, in der Bücher aus dem 18. Jahrhundert analog und digital im Mittelpunkt stehen. Den Anlass für diese Ausstellung bildet das nationale, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts, kurz VD 18.

Es zielt darauf, das gedruckte kulturelle Erbe des 18. Jahrhunderts für die Forschung digital verfügbar zu machen. Seit vielen Jahren ist die ULB maßgeblich daran beteiligt und hat seit 2019 auch die Bearbeitung von Beständen der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen und der Marienbibliothek übernommen. In ihrer Gesamtheit spiegeln die digitalisierten Werke das Jahrhundert der Aufklärung wider. In Halle werden die Drucke der weltweit ausstrahlenden Frömmigkeitsbewegung des Pietismus in das Projekt eingebracht.

Das 18. Jahrhundert – das Jahrhundert der Aufklärung

Das 18. Jahrhundert gilt heute als das Jahrhundert der Aufklärung in Europa und Nordamerika. Die AufklärerInnen wollten durch rationales Denken und Handeln die Lebenssituation der Menschen verbessern. Deshalb nahmen sie mit »Vernunft«, wie sie sagten, alle menschlichen Lebensbereiche in den Blick. Das wichtigste Medium zur Verbreitung aufklärerischer Ideen war das Buch. Besonders Enzyklopädien und Universal-Lexika, aber auch Zeitschriften und Journale sollten das in allen Bereichen erlangte Wissen verbreiten. Gesellschaftspolitisches Ziel war die Emanzipation des Individuums von Staat und Kirche, die sich beide am Gemeinwohl orientieren sollten. Empfindsame Strömungen wie der Sturm und Drang sowie die Romantik wandten sich gegen die Rationalität der Aufklärung. Das Verhältnis von Obrigkeit, Kirche und Adel zur Aufklärung war zwiespältig

Das 21. Jahrhundert – das Jahrhundert der Digitalisierung

Digitalisierung meint eigentlich, physische Informationen in digitale Daten umzuwandeln und zu speichern. In den letzten Jahrzehnten haben die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung die gesamte Industrie erfasst und verändert. Noch stehen wir am Anfang dieser Entwicklung hin zur »Industrie 4.0« – einer neuen industriellen Revolution, die auch die Gesellschaft und die Lebenssituation der Menschen verändert. Dank der Digitalisierung können wir heute Klänge, Bilder, Schriften und Objekte in digitalen Systemen erfassen und auf geringstem Raum archivieren, um sie NutzerInnen weltweit zur Verfügung zu stellen. Software zur Schrifterkennung wiederum verwandelt digitale Abbilder von Buchseiten automatisch in Text, der durchsucht und weiterverarbeitet werden kann. Dadurch sind wir in der Lage, das in historischen Texten enthaltene kulturelle Wissen dauerhaft zu bewahren und in Sekundenschnelle mit nur wenigen Klicks abzurufen

Das Projekt VD 18

Den Anlass zu dieser Ausstellung gibt das nationale bibliothekarische Projekt Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts, kurz VD 18. Es zielt darauf, das gedruckte kulturelle Erbe des 18. Jahrhunderts – geschätzte 600.000 Drucke – digital verfügbar zu machen. An diesem Projekt haben sich seit 2009 27 deutsche Bibliotheken beteiligt und wurden dabei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Fast die Hälfte des nationalen Schrifttums ist mittlerweile in einem VD18-Katalog für die Wissenschaft, aber auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.
Die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle (ULB) ist eine der führenden Bibliotheken auf dem Gebiet der Digitalisierung in Deutschland und war von Anfang an maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Da auch die Marienbibliothek und die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen einmalige und seltene Bücherschätze besitzen, hat die ULB die jüngste Projektphase als Kooperation konzipiert und Bücher aus diesen Einrichtungen erschlossen und digitalisiert. Etwa 50.000 Drucke aus Bibliotheken Halles sind derzeit im VD 18 nachgewiesen.

Die Projektpartner

Die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle

Die ULB ist die größte wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Landes Sachsen-Anhalt. Sie versorgt die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Region mit wissenschaftlicher Literatur – sowohl gedruckt als auch digital.

Als Pflichtexemplar-Bibliothek verwahrt sie jeweils ein Exemplar aller in Sachsen-Anhalt erschienenen Publikationen.
Die ULB zählt zu den bedeutendsten Altbestandsbibliotheken in Deutschland: Ganze Bibliotheken von Gelehrten, kirchlichen Institutionen und Adelsfamilien sind in der ULB aufgegangen, zum Beispiel die Büchersammlung des Geheimen Kriegsrates Johann August von Ponickau (1718–1802) mit bedeutenden Werken zur mitteldeutschen Geschichte und Kultur. Bibliotheksarchitektonisch wegweisend ist das Magazingebäude Ludwig von Tiedemanns (1841–1908) in der August-Bebel-Straße 50. Zusammen mit dem historistischen Verwaltungsgebäude in der August-Bebel-Straße 13 bildet es die Zentrale der ULB. Hinzu kommen zwölf weitere Zweigbibliotheken, die im ganzen Stadtgebiet verteilt sind.
Die ULB ist seit Jahren Vorreiterin auf dem Gebiet der Digitalisierung historischer Bücher. Diese werden mit modernsten technischen Verfahren erschlossen und im Internet öffentlich verfügbar gemacht. Von den 175.000 Titeln des 18. Jahrhunderts im Bestand der ULB wurde ein Anteil von etwa 27% im Rahmen des VD18-Projekts digitalisiert.

Die Marienbibliothek in Halle

Die 1552 gegründete Marienbibliothek ist eine wissenschaftliche evangelische Kirchenbibliothek und seit ihrer Gründung im Besitz der evangelischen Marktgemeinde.

Sie gilt als eine der wertvollsten Büchersammlungen der Reformationszeit. Der Bestand der als Präsenzbibliothek nutzbaren Einrichtung umfasst etwa 38.000 Bände, vorwiegend aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. In dieser Schatzkammer finden sich Werke aus allen Wissensgebieten. Eine besondere Rarität sind die vier umfangreichen, geschlossen erhalten gebliebenen Gelehrtenbibliotheken aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Die Bibliotheksbestände sind in einem alphabetischen Zettelkatalog erschlossen, der allerdings Lücken aufweist. Etwa ein Viertel der Bestände sind inzwischen im elektronischen Verbundkatalog verfügbar.
Ein großer Teil des Bestandes der Marienbibliothek stammt aus dem 18. Jahrhundert. Von den ca. 30.000 Titeln, darunter zahlreiche Unikate, sind bisher ca. 17.500 Titel im elektronischen Katalog erfasst und ca. 1.000 im Rahmen des VD18-Projekts in der Universitäts- und Landesbibliothek bearbeitet worden.

Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen

Die Bibliothek des Waisenhauses war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine nach modernen Prinzipien geführte Institution.

Dazu zählten regelmäßige Öffnungszeiten, die Anstellung eines Bibliothekars, die Verzeichnung der Titel in einem Sachkatalog und die Zugänglichkeit für die »studierende Jugend«. Für August Hermann Francke (1663–1727) war sie ein wichtiger Baustein seiner christlichen Bildungs- und Erziehungsreform. Um 1725 verfügte die Bibliothek durch umfangreiche Schenkungen bereits über 18.000 Bände. Gesammelt wurden mit großer Weltoffenheit und Praxisnähe Bücher aller Wissensgebiete, wenn auch der Schwerpunkt auf theologischem Schrifttum lag. Auch das schlichte, zwischen 1726 und 1728 errichtete Bibliotheksgebäude mit der Platz sparenden Anordnung der Regale zielte auf die Nutzung, nicht auf die prächtige, zeittypische Repräsentation.
Heute werden die Bestände im Studienzentrum August Hermann Francke bewahrt, erschlossen und vermittelt. Von den 31.500 Titeln des 18. Jahrhunderts sind im Rahmen des VD18-Projekts etwa 1.700 Titel in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt erschlossen worden. Sie sind in den Digitalen Sammlungen des Studienzentrums August Hermann Francke recherchierbar.

Der Kupferstich von Gottfried August Gründler (1710–1775) befindet sich in einem Druck mit dem Titel »Vernünfftige Gedancken Von Gott, Der Welt und der Seele des Menschen« (1751) von Christian Wolff (1679–1754). Auf dem Frontispiz dominieren die Sonne, die aus den Wolken hervorbricht, und das Spruchband »Lucem post nubila reddit« (Nach einer bewölkten Zeit bringt Er das Licht zurück.). Deshalb wurde dieses Motiv zum Sinnbild für diese Ausstellung und für das Ausstellungsplakat ausgewählt.

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Das Projekt VD 18

Die Bibliographie eines Buches

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