Sprache

Im Rahmen des VD18-Projekts sind bis heute etwa 262.000 Drucke digitalisiert worden. Welche der vielen Drucke zeigen wir Ihnen? Wir sind auf Vertreter:innen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zugegangen und haben sie gebeten, ein für ihre Arbeit wichtiges oder interessantes Buch mit einem Text in der Ausstellung vorzustellen. Auf diese Weise ist ein buntes Kaleidoskop von Büchern zusammengekommen, von bekannten wie Immanuel Kants »Kritik der praktischen Vernunft« bis zu weitgehend vergessenen Titeln wie »Abhandlung von dem Nutzen der Electricität in der Arzneywissenschaft.« 

VD18 trifft Wissenschaft

Die Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts mussten mit einer Informations- und Medienflut zurechtkommen – so wie wir heute. Die Buchproduktion steigerte sich ab 1770 signifikant von ca. 1.800 Neuerscheinungen jährlich auf über 4.000 am Ende des Jahrhunderts. Religiöse Schriften verloren ihre führende Stellung auf dem Buchmarkt und das Latein wurde als Gelehrtensprache zunehmend verdrängt. Gelehrte Journale und Zeitschriften intensivierten den Wissensaustausch, Enzyklopädien bereiteten Informationen übersichtlich auf, Entdeckungen und die Erforschung der Natur führten zu einem Zuwachs an Wissen bis hin zur Herausbildung neuer wissenschaftlicher Disziplinen.

ÄSTHETIK

Sowohl wissenschaftlich als auch institutionell ist Johann Georg Sulzer (1720–1779) ein Knotenpunkt in der intellektuellen Geschichte des 18. Jahrhunderts. Als Mitglied der philosophischen Klasse der Berliner Akademie hat er ein vielseitiges Werk hinterlassen, das ein breites Spektrum von Fächern abdeckt: Ästhetik, Philosophie, Psychologie, Literatur und Literaturkritik, Reiseberichte, Pädagogik und Naturwissenschaften. Berühmt ist er vor allem für den gewichtigen Beitrag, den er als Autor der Allgemeinen Theorie der Schönen Künste zur Kunsttheorie und Ästhetik des 18. Jahrhunderts geleistet hat. Ganz im Geiste der Aufklärung wollte er hiermit eine philosophische und praktische Theorie der Künste in alphabetischer Ordnung liefern. Kaum ein kunsttheoretisches Werk des 18. Jahrhunderts hat eine so breite Aufnahme in Deutschland erfahren wie dieses Lexikon, das zum ersten Mal zwischen 1771 und 1774 in Leipzig erschien und zahlreiche Auflagen erlebte. Kurz nach Sulzers Tod veröffentlichte Christian Friedrich von Blankenburg (1744–1796) eine mit zahlreichen bibliographischen Hinweisen vermehrte Edition dieses Werkes, die heute immer noch benutzt wird.
Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Germanistin

Sulzer, Johann Georg:
Allgemeine Theorie der Schönen Künste in einzeln, nach alphabetischer Ordnung der Kunstwörter auf einander folgenden, Artikeln abgehandelt. Neue vermehrte zweyte Auflage. Teil 1.
Leipzig: Weidmann, 1792.

Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: 126 D 13
München, Bayerische Staatsbibliothek, VD18 90266579

RHETORIK/BRIEFSTELLER
Was uns heute das Smartphone ist, war für das 18. Jahrhundert der Brief. Obwohl es ihn schon länger gibt, entdeckt Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769) als einer der Ersten 1751 das Potenzial des Briefes als »Verräther unsers Verstandes, und oft unsers ganzen Charakters«. Der Briefwechsel wird somit zur authentischen Nachahmung eines Gespräches. Er kann Menschen über Distanzen verbinden und Beziehungen vertiefen.

Dieser neuen Brieflehre lässt Gellert Beispiele folgen, an denen vor allem nachempfunden werden soll, was einen guten Brief ausmacht. Gerade diese echten Briefe entfalten auch heute noch eine beeindruckende Unmittelbarkeit: sie machen erfahrbar, wie Menschen vor über 250 Jahren über das Papier zusammen kamen, sich trösteten, flirteten, stritten und sich beglückwünschten – so wie wir es heute digital tun. Diese Unmittelbarkeit tritt 2021 umso deutlicher hervor, wenn Kontakte wieder beschränkt werden müssen, und plötzlich sind wir dem 18. Jahrhundert wieder nah. Nur das Medium ist ein anderes.
Anja Pönisch, Studentin

Gellert, Christian Fürchtegott:
Briefe, nebst einer Praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen. Neue Auflage.
[S.l.], 1755.

Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Goe 700 (4)
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 11084693

WISSENSCHAFTSGESCHICHTE
Durch das VD 18 werden der Wissenschaftsgeschichte entlegene und wenig beachtete Texte zugänglich gemacht. Ein Beispiel ist Kratzensteins mehrfach nachgedruckte Abhandlung vom medizinischen Nutzen der Elektrizität von 1744.
Christian Gottlieb Kratzenstein kam 1742 zum Studium nach Halle. Schon 1743 erhielt er einen Preis der Akademie von Bordeaux. 1748 wurde er Mitglied der Leopoldina und Professor in Petersburg. Ab 1753 war er Professor in Kopenhagen.
Mit seinen akademischen Lehrern Lange und Krüger gehörte er zu den Pionieren der Elektrotherapie, die er mit kritischem Humor darstellt. Elektrizität sei u. a. ein Mittel gegen Fettleibigkeit, da sie das aus »schweflichten Theilen« bestehende Fett aus dem Körper austreibe. Ebenso erfolgreich sei jedoch, bei der »Cur der dicken Bäuche« den Patienten die Kurbel der Elektrisiermaschine drehen zu lassen, weil die damit verbundene körperliche Anstrengung noch wirksamer sei als das durch Reibung freigesetzte elektrische Fluidum.
Prof. Dr. Andreas Kleinert, Wissenschaftshistoriker

Kratzenstein, Christian Gottlieb:
Abhandlung von dem Nutzen der Electricität in der Arzneywissenschaft. Zweyte und vermehrte Auflage.
Halle: Hemmerde, 1745.

Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Qb 1301 a (4)
München, Bayerische Staatsbibliothek, VD18 11537779

KLASSISCHE PHILOLOGIE
Die zweiteilige Ausgabe der Ilias, die Friedrich August Wolf (1759–1824) im Auftrag des Verlages der Buchhandlung des Halleschen Waisenhauses im Jahr 1785 erscheinen ließ, schließt eine von ihm besorgte Gesamtausgabe der homerischen Epen ab, die im Jahr zuvor mit einer Edition der Odyssee und weiterer unter dem Namen Homers überlieferter Gedichte begonnen worden war. Da das ganze Unternehmen lediglich schulischen Zwecken dienen sollte, beschränkte sich Wolf darauf, den Text nach dem Vorbild der sogenannten Glasgow’schen Homerausgabe von 1756/58 in möglichst korrekter Form zu einem günstigen Preis bereitzustellen. Bis zur Vorlage eines von ihm selbst erarbeiteten Textes der Ilias und einer zusammenhängenden Darstellung ihrer Textgeschichte war es damals noch ein weiter Weg; erst zehn Jahre später ließ Wolf auf eine kritische Ausgabe der Ilias seine berühmten Prolegomena ad Homerum folgen, die den Anstoß zu der bis heute diskutierten »Homerischen Frage« gaben!
Prof. Dr. Michael Hillgruber, Klassischer Philologe

Homerus:
Ilias. Ad Exemplar Maxime Glasguense In Usum Scholarum Diligentissime Expressa. Hg. v. Friedrich August Wolf. Teil 1–2.
Halle: Waisenhaus, 1785.

Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Cf 2034 (1/2)
München, Bayerische Staatsbibliothek, VD18 9079284X (Teil 1); VD18 90792858 (Teil 2)

JUDAISTIK
Die Erschließung der jiddischen Drucke des Institutum Judaicum ist für die jüdische Kulturgeschichte von immenser Bedeutung. Diese Schriften wurden für die Judenmission auf Jiddisch, der Volkssprache der Juden Mittel- und Osteuropas, verfasst und von reisenden Missionaren in den jüdischen Gemeinden Europas verteilt. Eines der populärsten Missionstraktate war Or le-ʿet ʿerev (Licht am Abend) von Johann Müller. Um die Leser und Leserinnen über das missionarische Ziel der Schrift hinwegzutäuschen, übertrug Müller seinen Namen als Yochanan Kimchi ins Hebräische und erweckte so den Anschein, ein jüdischer Autor zu sein. Der dialogisch aufgebaute Text gibt ein fingiertes Gespräch wieder, in dem ein Rabbiner einen jüdischen Kaufmann scheinbar in Argumenten gegen christliche Polemik unterweist. Tatsächlich propagiert der Text jedoch den Glauben an Jesus Christus. Quellen wie Or le-ʿet ʿerev und ihre Rezeption ermöglichen einen einzigartigen Einblick in die häufig verborgenen Reaktionen von Juden auf die Mission und ihr Interesse an der christlichen Erweckungsbewegung des Pietismus.
Prof. Dr. Rebekka Voß, Judaistin

Müller, Johann:
Or le-ʿet ʿerev: leha-ir eyny Israel [...] baʿal ha-meḥaver [...] Yoḥanan Ḳimḥî […].
[Halle: Institutum Judaicum], [5]488 [1727/28].

Halle, Franckesche Stiftungen: 38 G 7
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 13524488-001 (vorläufig)

VD 18 trifft Kultur und Gesellschaft

Durch die Schul- und Unterrichtspflicht und die damit einhergehende Lese- und Schreibfähigkeit nahmen im 18. Jahrhundert mehr Personen als zuvor ein Buch in die Hand, nicht nur die Bibel oder ein Gesangbuch, sondern auch Zeitschriften, Romane, Erziehungsratgeber, Lexika und anschaulich illustrierte Werke aller Wissensgebiete.

Das spiegelte sich auf dem Buchmarkt wider: Während die schöne Literatur um 1745 lediglich einen Anteil von 6,4% an der Gesamtproduktion erzielte, nahm sie um 1800 mit 27,3% eine Spitzenstellung unter den Neuerscheinungen ein. Dieser Leserevolution fühlten sich viele Zeitgenossen hilflos ausgeliefert und fürchteten die schlimmen Folgen der »Lesewut« für die Jugend, der nur mit pädagogischer Lenkung zu begegnen sei – eine Parallele zu heutigen Diskursen um den unlimitierten Medienkonsum.

Hier werden schlaglichtartig Bücher präsentiert, die gern gelesen wurden: von der protestantischen Erbauungsliteratur über Klassiker der Kinder- und Jugend- sowie der schönen Literatur bis hin zu prächtig gestalteten Werken zur Naturgeschichte. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Bücher aus und über Halle, einem der wichtigsten deutschen Verlagsstandorte im 18. Jahrhundert.

Fromm sein

Erbauliche Schriften stellten nächst der Bibel einen äußerst populären und weit verbreiteten Literaturzweig bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts dar. Sie begleiteten die christlichen Leser und Leserinnen ein Leben lang und prägten damit das fromme, sittliche Leben und die Glaubenshaltung zahlreicher Generationen. Auch wenn Erbauungsliteratur nie ganz aus der Mode kam, nimmt ihr Stellenwert im Vergleich zu den »neuen« Literaturgattungen, Zeitschriften, Romane oder Reiseliteratur, im Laufe des 18. Jahrhunderts ab. Das spiegelt sich auch im VD18-Katalog wider, in dem die Erbauungsliteratur nicht zu den zehn am häufigsten vorkommenden Gattungen zählt. Betrachtet man jedoch die Titel, die im Rahmen des VD18-Projekts für die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen digitalisiert wurden, ergibt sich ein völlig anderes Bild: erbauliche Schriften, Predigten und Predigtsammlungen, Bibeln, Katechismen sowie Gebetbücher machen hier einen Großteil der digitalisierten Titel aus

Der aus Schlesien stammende Erbauungsschriftsteller Karl Heinrich von Bogatzky (1690–1774) galt schon zu seinen Lebzeiten als »der letzte Pietist aus alter Zeit« und führte von 1746 bis zu seinem Lebensende ein zurückgezogenes Leben in einer kleinen Wohnung in den Glauchaschen Anstalten. Berühmtheit erlangte sein »Güldenes Schatzkästlein der Kinder Gottes«, das im Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses in Spitzenzeiten fast jährlich neu aufgelegt wurde und zuletzt in 67. Auflage 1924 erschienen ist. Es enthält Bibelsprüche, denen jeweils Verse von Bogatzky beigefügt sind. Zur Popularität dieses Werks trug bei, dass es tatsächlich in der Größe eines »Kästleins« gebunden wurde.

12. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1734
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:2575
13. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1735
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:2688
Rostock, Universitätsbibliothek, VD18 12275743
16. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1743
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:2574
17. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1745
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:2843
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 13169963
https://digital.francke-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:ha33-1-197499
19. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1751
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:2573
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 13297708
https://digital.francke-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:ha33-1-199521
20. Aufl. Halle: Waisenhaus, 1753
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: VERL:275 (20)
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 12853976
https://digital.francke-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:ha33-1-200063

Henckel, Wenzel Ludwig von:
Schatz-Kästlein, bestehend in auserlesenen göttlichen Verheissungen, deren gläubiger Zueignung und beygefügten Reimen […].
Halle; Leipzig: Lüderwald, 1743
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: 21 F 21
Berlin, Staatliche Bibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, VD18 11726822
https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN870115898

Wissen

Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam es in allen Wissensgebieten, aber vor allem auf dem Gebiet der Naturgeschichte, zu einer Zunahme des Wissens und der Kenntnisse. Die Beobachtung der Natur, naturkundliche Exkursionen und Entdeckungen, aber auch die Präparate in anatomischen und naturkundlichen Sammlungen führten dazu, dass Künstler lebensecht erscheinende Abbildungen herstellen konnten. Die Kupferstiche in oft umfangreichen, mehrbändigen Nachschlagewerken führten zu einer stärkeren Verbreitung und Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse im 18. Jahrhundert im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrhunderten.

Die Nürnbergische Hesperides von Johann Christoph Volkamer sind für gartenhistorisch Interessierte auch heute noch ein legendäres Buch, ein großer Schatz und ein optischer Hochgenuss. Einst bestaunte ich einen der 115 Kupferstiche ehrfürchtig in einer Ausstellungsvitrine, inzwischen durfte ich dieses Prachtwerk im Zuge meiner gartenhistorischen Forschungen vorsichtig in die Hand nehmen und durchsehen, was ich immer noch als Privileg empfinde.
Was beeindruckt mich an diesem Buch? Neben der Vielfalt der verschiedenen Zitrusgewächse, den Modepflanzen der barocken Gärten, sind es vor allem die wirklichkeitsnahen Abbildungen längst vergangener Gärten und Landschaften aus der Gegend um Nürnberg und Italien. Die detaillierte Darstellungsweise erlaubt es auch 300 Jahre später, gedanklich in diesen kunstvollen Gärten zu lustwandeln oder sich in einstige ländliche Idyllen hineinzuträumen.
Cornelia Jäger, Biologin und Umweltpädagogin

Lernen

ABC-Buch und Bibel vermittelten in der Frühen Neuzeit Kindern ein erstes Leseerlebnis. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts kam es zu einer Zunahme und Differenzierung der Literatur für Kinder und Jugendliche von Erbauungsbüchern über Lehrbücher aller Unterrichtsfächer, Sitten- und Anstandslehren bis hin zu moralisch-unterhaltender Literatur. Zugleich entwickelte sich die Illustration zum zentralen Bestandteil dieser Literaturgattung, um Lerninhalte durch unmittelbare Anschauung plastisch zu vermitteln. Erst am Ende des 18. bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzog sich die Trennung von Schul- und Kinderbuch und entwickelte sich der für uns heute selbstverständlich erscheinende Literaturmarkt für Kinder und Jugendliche.

Auch wenn Joachim Heinrich Campe heute nur noch wenigen ein Begriff ist, ist er in der Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur ein Meilenstein und Robinson der Jüngere von 1779 sein erfolgreichstes Werk. In Campes Bearbeitung des Originals Robinson Crusoe (Defoe, 1719) konzentrierte er sich auf die Darstellung der Erlebnisse Robinsons auf der Insel und reduziert die Vor- und Nachgeschichte. Erzählerisch elegant und innovativ fügt er eine Rahmenhandlung ein, in der der Vater abends seinen Kindern von Robinsons Inselleben erzählt. Dabei schwingt ein sehr belehrender Ton mit und am Exempel von Robinson werden die Werte der Zeit festgemacht: Arbeitsethos, Vernunft, Tugendhaftigkeit und Triebkontrolle. Das Buch gilt als eines der erfolgreichsten Werke des 18. Jahrhunderts und erschien bis 1884 in 109 Auflagen.
Dr. Alexandra Ritter, Grundschuldidaktikerin für Deutsch

Der Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747–1822) schuf mit dem »Bilderbuch für Kinder« ein enzyklopädisch angelegtes Sach- und Lehrbuch, das zwischen 1790 und 1830 in einer Auflage von 3.000 Stück herausgegeben wurde und insgesamt 1.185 kolorierte Bildtafeln mit rund 6.000 einzelnen Kupferstichen enthält. Diese anschaulichen, hochwertigen Bildtafeln trugen zum großen Erfolg dieses Buchprojekts bei. Das Bilderbuch sollte unterhaltsam Lerninhalte vermitteln, die Imagination der Kinder anregen und diese »amüsieren«.

Bertuch, Friedrich Justin: Bilderbuch Für Kinder, enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften[…]

Bd. 1.  Weimar: Verlag des Industrie-Comptoirs, 1792
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: AB WW 1785 (1)
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 90698134
https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/pageview/15283886
https://digitale.bibliothek.uni-hall

Schöne Literatur

Im Laufe des 18. Jahrhunderts verdrängte die sogenannte schöne Literatur die theologischen und religiösen Schriften von der Spitze der Sachgebiete mit den meisten Neuerscheinungen pro Jahr auf dem deutschen Buchmarkt. Literarische Zeitschriften, das bürgerliche Trauerspiel und das Geschichtsdrama sowie ab ca. 1770 der Roman eroberten die Gunst des Lesepublikums. Die Bücher im handlichen Taschenbuchformat zirkulierten in Lesezirkeln und bürgerlichen Haushalten. Von den dazugehörigen Gattungen sind im Rahmen des VD18-Projektes in besonderem Maße Werke mit lyrischem Inhalt digitalisiert worden, wie auch das Diagramm zu den Gattungen im VD18-Katalog in Raum 4 veranschaulicht. In deutlich geringerem Umfang folgen Librettos, Romane, Dramen, Schauspiele und andere literarische Gattungen, die erst nach 1750 populär wurden

Zeitschriften

Der Aufschwung der periodischen Presse in Form von Zeitungen, Zeitschriften und gelehrten Journalen stellt eine der zentralen buchtechnischen und literarischen Neuerungen des 18. Jahrhunderts dar. Die »Briefe, die neueste Literatur betreffend« waren eine literarische Wochenschrift, die auf eine Idee von Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) zurückging und in der in kritischer, pointierter und streitbarer Form Neuerscheinungen auf dem Literaturmarkt in Briefform vorgestellt und wesentliche Debatten der Literaturkritik und -theorie der Aufklärungszeit geführt wurden. Berühmtheit erlangte der von Lessing verfasste 17. Literaturbrief, der sich gegen die normative Poetik wandte und dem Geniekult des Sturm und Drang den Weg ebnete.

Berlin; Stettin: Nicolai, 1759-1766
Halle, Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: 145 E 12a-f
Bielefeld, Universitätsbibliothek, VD18 90121694
http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/toc/1921386/0/LOG_0000/

Lyrik

Der Band Auserlesene Gedichte von Anna Luise Karsch ist eine der bemerkenswertesten Publikationen einer schreibenden Frau im 18. Jahrhundert. Nicht nur wurde Karsch hierdurch einer breiten Leserschaft bekannt, sondern es wurde mit dieser Veröffentlichung der höchste Gewinn erzielt, der bis dahin auf dem literarischen Markt verzeichnet wurde. Die Einnahmen sicherten der Dichterin fortan den Lebensunterhalt, so dass Karsch als erste ›freie‹ deutsche Autorin bezeichnet werden kann.
Die Publikation macht aber auch die Zwänge deutlich, denen man ausgesetzt war, wenn man sich in Abhängigkeit von Gönnern begab: Neben neuen, kühnen Gedichten findet sich auch weniger überzeugende Gelegenheits- bzw. Huldigungsdichtung. Die Literaturkritik nahm die Auserlesenen Gedichte gespalten auf – in das Visier der Kritiker gerieten auch die Freunde der Karschin, die mit ihr »gleichsam manche Versuche angestellet« (Gleim an Uz) hatten. Anna Luise Karsch ist es gelungen, bis ans Ende ihres entbehrungsreichen Lebens als Dichterin in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
Dr. Ute Pott, Museumsdirektorin

Berlin: Winter, 1764.
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Dd 2326 z
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, VD18 11682493
https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN642842280

Schon das Erscheinen der ersten beiden Bände (von insgesamt neun) des Tristram Shandy von Laurence Sterne, der Pfarrer im nordenglischen York war, sorgte für einen handfesten Skandal. Das Buch ist voller Anzüglichkeiten. Es setzt sich über alle literarischen Regeln, die für einen Roman im 18. Jahrhundert galten, hinweg, was im Text vom Autor zusätzlich ironisch kommentiert wird. Statt einer stringenten Handlung springt das Geschehen wild von einer Zeitebene und einer Person zur nächsten, Kapitel werden ausgelassen und es gibt leere, schwarze sowie bunte Seiten (im dritten Band der Erstausgabe wurde ein marmoriertes Buntpapierblatt auf eine Seite geklebt). Damit nimmt das Buch viele spätere literarische Entwicklungen vorweg und wurde ein Riesenerfolg, sowohl in England als auch im restlichen Europa und darüber hinaus. Von Wieland über Nietzsche bis Arno Schmidt hat es im Laufe der Jahrhunderte viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen beeinflusst und fasziniert bis heute seine Leserinnen und Leser.
Nils Wagner, Buchhändler

Wien: Sammer, 1798.
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: AB S 975
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD 18 90702220 (Volume 1/2); VD 18 90702271 (Volume 3/4); VD 18 90702328 (Volume 5/6); VD 18 90702336 (Volume 7–9)
https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:3:1-823162
https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/titleinfo/15226919
https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/titleinfo/15226920

Dramen

Ich möchte als mein Meisterwerk Schillers Dom Carlos bezeichnen! Es ist eine Studie über Liebe und Sehnsucht nach gedanklicher Freiheit in einer gnadenlosen, absolutistischen Enge! Philipp II., der spanische König, steht für die Alleinvertretung der Macht und deren Durchsetzung durch Krieg und Terror! Ein erhebender Moment, wenn Marquise Posa, der Freund seines an den königlichen Vater ausgelieferten und hilflosen Sohnes Carlos, die fordernde Bitte erhebt: »Sir, geben Sie Gedankenfreiheit!« und dabei sein Leben riskiert, dann ist es für meine Begriffe künstlerischer Mut und leidenschaftlicher Wille des Autors und hatte einen großen und nachhaltigen Einfluss am Beginn des Sturm und Drang im Ausgang des 18. Jahrhunderts!
Matthias Brenner, Schauspieler, Regisseur, Intendant

Leipzig: Göschen; Leipzig: Solbrig, 1787.
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Goe 2718
Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, VD18 11601515
https://digitale.bibliothek.uni-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:3:1-500360

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